- Genehmigungsverfahren abgeschlossen: Ab sofort beginnt der Hochlauf der Fahrzeugzerlegung im Schichtbetrieb
- Bereits 100 Mitarbeiter umgeschult und ab 2027 im Einsatz
- Gebrauchte Originalserienteile aus Zwickau bereits seit Juli im Vertrieb
Kreislaufwirtschaft bei Volkswagen: Erste Demontagelinie geht ans Netz
Das Fahrzeugwerk Zwickau eröffnet die erste industrielle Demontagelinie mit acht Takten für Vorserien- und zukünftig auch für Altfahrzeuge. Seit dem Startschuss im Januar wurden die Umbaumaßnahmen am Standort und das Genehmigungsverfahren in nur neun Monaten abgeschlossen. Ab 2027 werden 4.100 Fahrzeuge p.a. im Zweischichtbetrieb zerlegt und 100 Mitarbeitende beschäftigt. Im Fahrzeugwerk Zwickau werden somit Originalserienteile der Konzernmarken gewonnen und für den Handel bereitgestellt. Der Standort wird künftig Altfahrzeuge wiederaufbereiten, Originalbauteile bereitstellen und Rohstoffe zurückgewinnen.
Thomas Schäfer, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG, CEO Marke Volkswagen: „Ab heute bauen wir in Zwickau Autos nicht nur zusammen, sondern auch wieder auseinander, mit derselben industriellen Präzision. Denn Demontage und Weiterverwertung heißt für uns nicht Schrottplatz, sondern Wertschöpfung. Das reicht vom wiederverwendeten Bauteil bis zur Entwicklung neuer Modelle. Das Team in Zwickau hat das Thema Kreislaufwirtschaft mit voller Überzeugung angepackt und ist mit der Umsetzung schneller, als es der Zeitplan vorsah. Damit setzt das Kompetenzzentrum hier am Standort ein entscheidendes Puzzleteil für die Produktion der Zukunft. Auf diese Weise werden wir Circular Economy im ganzen Konzern voranbringen.“
Im Vordergrund steht für den Volkswagen Konzern der Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes, um zeitwertgerechte Gebrauchtteile und Materialkreisläufe zu erschließen. Gleichzeitig werden mit der Einführung von Rezyklat-Quoten ab dem Jahr 2032 für Kunststoff und weitere Rohstoffe in Europa industrielle, skalierbare Prozesse – analog der Fahrzeugproduktion – nötig, um Altfahrzeuge effizient demontieren zu können. Allein im Bereich der Kunststoffe werden perspektivisch mit wiedergewonnenem Kunststoff aus einem Altfahrzeug drei Neuwagen hergestellt werden können.
Andreas Walingen, Leiter Volkswagen Group Circular Economy: „Elektrisch, digital und zirkulär: Das ist die Automobilindustrie der Zukunft. Circular Economy wird dabei vom Nachhaltigkeitskonzept zum industriellen Geschäftsmodell. Das Leitprinzip dabei lautet: Ein Fahrzeug. Drei Wertströme. Ein Geschäftsmodell. Zur erfolgreichen Umsetzung brauchen wir Geschwindigkeit, Skalierung mit industriellen Prozessen und Partnern sowie Innovationen für Wettbewerbsfähigkeit. Dazu haben wir in Zwickau mit dem Start der Demontage einen wichtigen Meilenstein sogar schneller erreicht als geplant. Damit wird Strategie zur industriellen Realität.“
Die für die linienbasierte Demontage notwendige Anlagentechnik wurde in nur neun Monaten installiert und damit inklusive Genehmigungsverfahren drei Monate früher fertiggestellt als geplant. Insgesamt wurden 1.200 Quadratmeter Boden neu beschichtet, 94 Tonnen Stahl verbaut und 100 Meter Hochstromlinien für Logistikprozesse installiert. Ein Großteil der Aufwendungen floss auch in die Flächenaufbereitung, um Rohstoffe und Reststoffe (umweltgerecht) lagern zu können. Um die Finanzmittel optimal einzusetzen, wurde auch Technik aus der Fahrzeugfertigung „re-used“ für die Zerlegung verwendet.
Danny Auerswald, Sprecher der Geschäftsführung Volkswagen Sachsen GmbH: „Das Team am Standort Zwickau nimmt die Aufgabe beherzt an. Wir haben mit unserem Know-how alle Synergien zwischen Fahrzeugbau und Fahrzeugdemontage bei der Einrüstung und der Prozessgestaltung genutzt. Kurze Wege am Standort, Fachkompetenz und langjährige Erfahrung in der Belegschaft und in der Region ermöglichen uns, Demontage vom Werkstatt-Setting in einen effizienten seriellen Prozess zu überführen.“
Langfristig wird Volkswagen ein Circular Economy Partnernetzwerk in Europa etablieren, um die Circular Economy-Aktivitäten effizient zu skalieren und dabei die Logistikkosten optimal zu gestalten. Das Fahrzeugwerk Zwickau ist das Kompetenzzentrum für Kreislaufwirtschaft im Volkswagen Konzern, wo markenübergreifend Wissen und Kompetenzen gebündelt werden. Diese zentrale Rolle wird durch die Unterstützung des Freistaats Sachsen zusätzlich gestärkt.
Dirk Panter, Wirtschaftsminister im Freistaat Sachsen: „Heute ist ein guter Tag für Sachsen und Deutschland! Mit dem Aufbau des Circular-Economy-Hubs betritt Volkswagen in der traditionsreichen Automobilregion Südwestsachsen industrielles Neuland. Das Werk Zwickau übernimmt damit erneut eine wichtige Vorreiterrolle innerhalb des Konzerns. Hier zeigt sich, wie Volkswagen, seine Beschäftigten und der Freistaat Sachsen gemeinsam an tragfähigen Lösungen für die Zukunft der Automobilindustrie arbeiten. Die Kreislaufwirtschaft für Fahrzeugkomponenten eröffnet neue Geschäftsfelder, schafft zusätzliche Wertschöpfung und bietet langfristige Beschäftigungsperspektiven. Zwickau-Mosel zeigt beispielhaft, wie sichere Wertschöpfungsketten, ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Ressourcen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Hand in Hand gehen können. Die Weiterentwicklung des VW-Standorts ist damit ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft des Automobillandes Sachsen.“
Mit dem Start der industriellen Demontage im Fahrzeugwerk Zwickau erweitert Volkswagen das After Sales Portfolio um Original-Gebrauchtteile als zeitwertgerechtes Angebot für seine Kunden. Die Nachfrage an Karosseriebauteilen wie Türen und Stoßfängern ist neben Motoren sowie Getriebebauteilen besonders hoch. Die Original-Gebrauchtteile werden über bestehende Netzwerke unserer Händler & Service Partner sowie unabhängiger Werkstätten und Teilehändler vertrieben und mittels professioneller Logistik schnell geliefert.
Marcus Edelmann, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Group OTLG: „Mit dem industriellen Demontieren von Altfahrzeugen bieten wir unseren Kunden hochwertige Gebrauchtteile im After Sales. Statt Bauteile zu verschrotten, verwerten wir diese weiter. Dieses zeitwertgerechte Produktangebot reduziert zusätzlich wirtschaftliche Totalschäden. Alles zusammen ist ein wesentlicher Beitrag im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie und eine weitere Möglichkeit, unsere Kundenbindung zu stärken.“
Der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft wurde im Rahmen der Tarifverhandlungen im Dezember 2024 für den Standort Zwickau festgelegt. Dieser neue Geschäftsbereich soll bis zu 1.000 Menschen beschäftigen. Neben der Fahrzeugproduktion ist dies ein zweites Standbein im Sinne der Beschäftigungssicherung und des Kompetenzaufbaus in der Region Mitteldeutschland. Die Volkswagen Group sieht die Circular Economy als Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Materialkosten und Primärrohstoffabhängigkeiten zu senken und die Resilienz der Lieferketten zu erhöhen. Gleichzeitig können durch Recycling, Remanufacturing und Second-Life-Anwendungen neue Markt- und Erlöspotenziale erschlossen werden.
Circular Economy ist für Europa auch ein industriepolitischer Hebel: Sie stärkt Resilienz, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere in rohstoffintensiven Branchen wie der Automobilindustrie. Die Kreislaufwirtschaft-Strategie des Konzerns folgt dabei dem Prinzip „REDUCE & GROW": Die Volkswagen Group prüft, entwickelt und implementiert Ansätze, um den Einsatz von Primärrohstoffen zu verringern und materialbezogene Emissionen zu adressieren und projektbezogen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
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